Krankheitsbedingte Kündigung – Was heißt das? Der Teufel ist ein Eichhörnchen und manchmal lohnt es sich genauer hinzusehen. So wird im Allgemeinen angenommen, dass eine Krankheit vor einer eventuellen Kündigung schützt. Diese Annahme ist leider falsch. Grundsätzlich stellt eine Krankheit keinen Kündigungsgrund dar, eine Kündigung kann aber aufgrund der Fehlzeiten und unter bestimmten Voraussetzungen eine Kündigung legitimieren.

3 Gründe für eine ordentliche Kündigigung

1. Personenbedingte Kündigung

Wie der Name des Kündigungsgrundes es bereits vermuten lässt, fußt die ausgesprochene Kündigung in diesem Fall auf der Person – den oder die ArbeitnehmerIn. Die Arbeit kann nicht mehr von betreffenden Person geleistet werden. Verletzt sich ein Pianist an den Händen und kann daraus resultierend nicht mehr Klavierspielen, kann er seine Arbeitsleistung nicht mehr erbringen. Dies ist zwar recht exotisches, aber dennoch treffendes Beispiel für eine personenbedingte Kündigung. Ähnlich zu werten wäre der Verlust des Führerscheins oder aber auch eine Krankheit. Beides kann ebenfalls dazu führen, dass ein Arbeitnehmer die geforderte Arbeitsleistung nicht mehr erbringen kann.

Damit der Arbeitgeber eine wirksame Kündigung aufgrund einer Krankheit aussprechen kann, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Es ist nicht mit einer Heilung des Arbeitnehmers zu rechnen – dafür aber mit dessen langfristigen Ausfalls.
  • Die Interessen des Arbeitgebers, betrieblich oder wirtschaftlich, werden beeinträchtigt. Die Suche nach einem adäquaten Ersatz für den kranken Arbeitnehmer ist aufwändig und kann teuer werden, parallel muss aber auch das Gehalt des kranken Arbeitnehmers aber weiter bezahlt werden. Daraus ergeben sich zudem Störungen im Betriebsablauf.
  • Abwägung der Interessen zum Vorteil des Arbeitgebers. Die Abwägung bedeutet hierbei, dass die Interessen des Arbeitnehmers an einer Fortführung des Arbeitsverhältnis mit den Interessen des Arbeitgebers in Bezug auf eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses gegenübergestellt werden. Im Rahmen dieser Gegenüberstellung wird geprüft, ob es dem Arbeitgeber zugemutet werden kann kann, den kranken Arbeitnehmer weiter zu beschäftigen.

Und nun die guten Nachrichten für den Arbeitnehmer: Trifft nur eine dieser Voraussetzungen nicht gegeben, hat der Arbeitgeber schlechte Karten und die Kündigung ist unwirksam. Und es wird noch besser: Die Beweispflicht für die Gültigkeit der oben genannten Voraussetzungen liegt beim Arbeitgeber.

2. Verhaltensbedingte Kündigung

Dieser Kündigungsgrund bezieht sich auf das Verhalten des Arbeitnehmers. Greift zum Beispiel der Mitarbeiter einer Bank in die Kasse oder bereichert sich anderweitig an den Kunden, liegt offenkundig ein Fehlverhalten vor und entspricht somit der Definition einer verhaltensbedingten Kündigung. Ähnliche Fälle könnten Trunkenheit am Arbeitsplatz oder sogar das allgemein bekannte Krankfeiern sein.

3. Betriebsbedingte Kündigung

Wird eine Abteilung, eine Filiale oder sogar ein ganzer Standort eines Unternehmens geschlossen und somit auch die damit zusammenhängenden Stellen abgebaut, liegt ein erster Grund für eine mögliche betriebsbedingte Kündigung vor. Es muss aber nicht einmal eine Abteilung geschlossen werden, auch aufgrund einer mangelnden Auftragslage und der sich daraus ergebenen Überkapazität an Arbeitnehmern, kann eine wirksame betriebsbedingte Kündigung ausgesprochen werden.

Krankheitsbedingte Kündigung erhalten – wie verhalte ich mich?

Wie in fast allen Belangen rund um Kündigungen, gilt es auch in diesem Fall Fristen zu wahren und zügig zu handeln. So auch bei er krankheitsbedingten Kündigung. Schließlich bleiben dem gekündigten Arbeitnehmer nur drei Wochen um eine entsprechende Kündigungsschutzklage vor Gericht einzureichen.

Sollte die Kündigung nicht wirksam sein (siehe obere und vorangegangene Punkte – die für ein Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern gelten), ist es sinnvoll die Kündigung über den Klageweg anzufechten. Beweise, die helfen, die Unwirksamkeit der Kündigung durch Nichteinhaltung der zuvor genannten Punkte sind immer hilfreich. Ein Beweis wäre zum Beispiel ein Beleg in Form eines Schreibens vom Arzt, dass die diagnostizierte Krankheit heilbar und nicht dauerhaft ist.

Krankheitsbedingte Kündigung erhalten – ist diese wirksam?

Wird eine der oben genannten Voraussetzungen erfüllt, kann man davon ausgehen, dass die krankheitsbedingte Kündigung unwirksam ist.

Unwirksam ist die Kündigung zum Beispiel, wenn eine Krankheit heilbar ist und somit nur temporär besteht. Ein gebrochener Arm heilt in der Regel und wächst wieder zusammen – somit wäre eine krankheitsbedingte Kündigung gegenüber einem Taxifahrer, der sich den Arm brach und das Taxi in Folge dessen eine Zeit lang nicht mehr fahren kann, unwirksam. Hier handelt es sich ja entsprechend nur um einen vorübergehenden Ausfall des Mitarbeiters.

Unwirksam ist due Kündigung auch, wenn die wirtschaftlichen und betrieblichen Interessen des Arbeitgebers nicht gefährdet sind. Die Gefährdung allgemeiner Interessen ist hier nicht ausreichend. Suchtkrankheiten sind in diesem Fall ein gutes Beispiel: Ein alkoholkranker Mensch, der auch während der Arbeitszeit betrunken ist, gefährdet die wirtschaftlichen und betrieblichen Interessen des Arbeitgebers massiv wohingegen dies in der Regel auf einen spielsüchtigen Menschen nicht zutrifft.

Sind ausreichend viele Mitarbeiter vorhanden, die als Vertretung für einen erkrankten Arbeitnehmer einspringen können, lässt sich aus der Krankheit kaum eine Störung des betrieblichen Ablaufs begründen. Auch in diesem Fall wäre die krankheitsbedingte Kündigung unwirksam.

Könnte der erkrankte Mitarbeiter an einer anderen Stelle des Unternehmens eingesetzt werden, an der seine dauerhafte Krankheit keine Rolle spielen würde, wäre die krankheitsbedingte Kündigung ebenfalls unwirksam. Ein Friseur zum Beispiel, der eine Allergie gegen bestimmte Shampoos entwickelt, könnte noch immer Haare schneiden, sofern die Wäsche derer entfiele.

Ein speziellerer Fall ist es, wenn es in einem Unternehmen einen Betriebsrat gibt, dieser aber vom Arbeitgeber vor Aussprechen der Kündigung nicht angehört wird. Auch in diesem Fall wäre eine krankheitsbedingte Kündigung unwirksam.



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