Abfindung oder Outplacement?

August 31, 2018, 11:01 pm

Muss es im Kündigungsfall wirklich immer eine Abfindung sein oder gibt es noch weitere attraktive Möglichkeiten der Kompensation? Der Deutschlandfunk berichtet in seinen Verbrauchertipps vom 05.04.2018 über eine mögliche Alternative zu einer Abfindung und beschreibt, dass es sich für einen gekündigten Arbeitnehmer lohnt, für eine Abfindung zu kämpfen.

Den Arbeitsplatz zu verlieren ist hart und bedeutet in der Regel Stress. Stress und vor allem eine emotionale und materielle Belastung. Wer eine Abfindung erhält, kann sich glücklich schätzen – in der Regel muss eine Abfindung aber seitens des Arbeitnehmers eingeklagt, bzw. erstritten werden. Kaum ein Arbeitgeber zahlt freiwillig unnötig Geld – warum auch?

Wie hoch liegt der Anteil der gekündigten Arbeitnehmer, die tatsächlich eine Abfindung erhalten? Bei 70 Prozent? Bei 50 Prozent? Oder womöglich nur bei 30 Prozent aller Gekündigten?

Kündigungsschutzklage lohnt sich

Nur ca. 15 Prozent sämtlicher gekündigten Arbeitnehmer erhalten eine Abfindung. Um seine Chancen bzgl. eines Erhalts einer etwaigen Abfindung zu erhöhen, sollte man darum kämpfen. Wie immer im Leben, bekommt man selten etwas geschenkt. Der Deutschlandfunk teilt in seinem Verbrauchertipp mit, dass immerhin 55 Prozent der Arbeitnehmer, die eine Kündigungsschutzklage innerhalb von Drei Wochen einreichen, Geld vom Arbeitgeber erhalten. Der Pressesprecher und Rechtsanwalt vom Deutschen Gewerkschaftsbund teilte dem Deutschlandfunk mit, dass es nur in wenigen Fällen einen gesetzlichen Anspruch auf eine Zahlung gibt.

Diesen gesetzlichen Anspruch sollten Sie dringend von einem Rechtsexperten prüfen lassen. Denn nochmal: Um seine Chancen bzgl. eines Erhalts einer etwaigen Abfindung zu erhöhen, sollte man darum kämpfen!

Outplacement als Alternative zur Abfindung

Handelt es sich bezüglich der Kündigung um normale Streitigkeiten, gilt, dass eine Abfindung grundsätzlich immer Verhandlungssache ist. Sie können für die Höhe der Abfindung folgende Faustformel anwenden: Sie erhalten ein halbes monatliches Bruttogehalt pro Jahr der jeweiligen Betriebszugehörigkeit. Generell gilt aber auch: Die Abfindung fällt umso höher aus, je wahrscheinlicher es ist, den Prozess vor Gericht auch tatsächlich zu gewinnen.

Es muss ja aber nicht immer das Ziel sein eine möglichst hohe Abfindung zu erstreiten – eine Alternative zu einer Geldzahlung kann genauso attraktiv sein. Was kann man nun also noch aushandeln? Haben Sie schon mal von einem Outplacement oder einer Außenvermittlung gehört? Beide Begriffe meinen das Gleiche und bezeichnen einen externen Dienstleister, der sich professionell um die Vermittlung von gekündigten Arbeitnehmern in Arbeitsverhältnisse bei einem neuen Arbeitgeber vermittelt. Hierbei ist das Ziel erreicht, wenn ein neuer Arbeitsvertrag unterzeichnet wurde oder aber auch eine Selbständigkeit und/oder Existenzgründung.

Sicherheit durch Outplacement

Schlussendlich stehen Sicherheit und eine planbare Zukunft für die meisten Arbeitnehmer im Fokus. Daher stellt ein Outplacement oder auch die Außenvermittlung eine gangbare Alternative zum Erstreiten einer Abfindung dar. In der Regel bildet die etwaige Abfindung ja auch nur die Möglichkeit zur Überbrückung einer finanziell unsicheren Übergangsphase – diese Übergangsphase würde mit der direkten Vermittlung in ein neues Arbeitsverhältnis gar nicht erst bestehen.

Abfindung & Steuer

Natürlich ist es verlockend eine größere Zahlung zu erhalten, aber denken Sie hierbei auch daran, dass Ihnen die Steuerlast für diese Einmalzahlung nicht erspart bleibt. Am Ende kann die mühevoll erstrittene Abfindung, durch die Zahlung der anfallenden Steuern, in Ihrer Höhe empfindlich schrumpfen und sich die Dauer der Übergangsphase in eine neue Arbeitsstelle drastisch verkürzen. Also: Obacht!

Besonders für ältere Arbeitnehmer und für Arbeitnehmer innerhalb eines angespannten Arbeitsmarktes kann die externe Vermittlung in eine neue Anstellung eine vernünftige Alternative zur Zahlung einer Abfindung sein. Ist also der Zeitraum bis zur Neuanstellung unbekannt, sollte man diese Alternative mindestens in Betracht ziehen.

Denken Sie an Ihre Gesundheit

Es gibt wohl eindeutig Schöneres als gekündigt zu werden. Wie bereits weiter oben erwähnt, ist die körperliche und seelische Belastung dieses Ausnahmezustandes enorm und nicht zu unterschätzen. Wie auch schon in dem Artikel zu dem wahrscheinlich bevorstehenden Stellenabbau bei Vattenfall in Hamburg und Berlin gilt es Ruhe zu bewahren und besonnen zu handeln. Übereilen Sie Ihre Entscheidungen nicht und lassen Sie sich keinesfalls von Ihrem Arbeitgeber zu einer schnellen Entscheidung drängen. Suchen Sie sich professionelle Hilfe in Form eines Rechts-Experten und/oder Arbeitsrechtsanwalts und lassen sich kompetent beraten.


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